Professor Dr. med. Hans Bigalke verstarb am 16. Oktober 2024 im Alter von 77 Jahren. Er war einer der bedeutendsten Botulinumtoxin-Forscher weltweit. Er verband eine brillante akademische Karriere mit einem ausgeprägten Unternehmergeist.
Hans Bigalke studierte Medizin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Von 1978 bis 1980 begann er seine wissenschaftliche Karriere mit einem Postgraduiertenstipendium bei Professor Habermann am dortigen Rudolf-Buchheim-Institut für Pharmakologie und Toxikologie. Hier begann er seine Studien zu Clostridien-Toxinen, indem er die Hemmung der Acetylcholinsekretion durch Tetanustoxine und Botulinumtoxine (BT) in neuronalen Zellkulturen und im isolierten Hirngewebe analysierte. 1981 trat er in das Labor von P. G. Nelson am National Institutes of Health in Bethesda, MD, USA, ein, um dort die Kultivierung von Rückenmarkszellen und elektrophysiologische Techniken für seine Forschung an Clostridien-Toxinen zu erlernen. Nach seiner Rückkehr nach Gießen entwickelte er den Maus-Hemidiaphragma-Assay (HDA), einen Ex-vivo-Assay, der den Maus-Letalitäts-Assay (LD50-Assay) zur Messung der Wirksamkeit von BT ersetzen sollte. 1986 habilitierte er sich und wurde anschließend als Professor für Toxikologie und später stellvertretender Abteilungsleiter an die Medizinischen Hochschule Hannover berufen.
Zu jener Zeit war die BT-Forschung noch nicht populär. Nur wenige Gruppen weltweit beschäftigten sich mit BT in der Lebensmittelsicherheit und in der Abwehr als biologische Waffe. Das änderte sich Dann änderte sich die Situation schlagartig, als Alan B. Scott das enorme therapeutische Potenzial von BT entdeckte: zunächst als Mittel zur Behandlung von Muskelüberaktivitätsstörungen wie Dystonie, Spastik und infantiler Zerebralparese, später auch zur Reduzierung von muskulären Falten. In der Folge wurden autonome Störungen, darunter Hyperhidrose und Hypersalivation, und sogar Schmerzstörungen wie Migräne zu etablierten Indikationen.
1997 wurde Hans Bigalke Mitbegründer und Geschäftsführer der Toxogen GmbH in Hannover, wo er seine Arbeit am HDA fortsetzte. Er verfeinerte den HDA so, dass er als Ersatz für den LD50-Test in der Herstellung von BT-Medikamente dienen konnte. Darüber hinaus etablierte er den HDA auch zur Messung genauer Titer neutralisierender BT-Antikörper, die bei der Überwachung von BT-Therapien und bei der Prüfung der Antigenität von BT-Medikamenten in Zulassungsstudien der pharmazeutischen Industrie wichtig sind. Daneben wurde der HDA auch ein vielseitiges Instrument zur Untersuchung verschiedenster Eigenschaften von BT-Präparaten. Mit der Entwicklung des HDA rettete Hans Bigalke das Leben einer großen Anzahl von Labormäusen, die sonst im konventionellen LD50-Assay verbraucht worden wären.
Seine Forschungen umfassten auch wegweisende Arbeiten zur Rolle der Komplexproteine, die natürlicherweise mit dem Botulinumneurotoxin assoziiert sind. Der Nachweis, dass diese Proteine für die biologischen und therapeutischen Wirkungen von BT nicht erforderlich sind, führte direkt zur Entwicklung des ersten BT-Arzneimittels ohne diese Komplexproteine. Dieses neuartige Arzneimittel, das in Zusammenarbeit mit Jürgen Frevert von Merz Pharmaceuticals aus Deutschland entwickelt wurde, zeichnet sich durch eine besonders geringe Antigenität aus und wurde zu einem international erfolgreichen Medikament. Seine Forschung zur Modifikation der BT-Struktur führte zu BT mit einer verbesserten Rezeptorbindung und zu verschiedenen theoretischen Modellen für die Erweiterung der zukünftigen therapeutischen Verwendung von BT.
Später wurde Hans Bigalke auch Gesellschafter von List Biological Laboratories, Campbell, CA, USA, einem Unternehmen, das sich mit verschiedenen kommerziellen Aspekten von bakteriellen Toxinen befasst.
Hans Bigalke hat 114 Publikationen veröffentlicht (PubMed, 18.02.2025). Seine wichtigsten direkten Mitarbeiter waren Andreas Rummel (18 gemeinsame Publikationen), Gudrun Ahnert-Hilgert (10 gemeinsame Publikationen) und Petra Marxen (7 gemeinsame Publikationen). Seine wichtigsten externen Kooperationspartner waren die Gruppen von Dirk Dressler an der Neurologischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (24 gemeinsame Publikationen), Thomas Binz am Institut für Zellbiochemie der Medizinischen Hochschule Hannover (13 gemeinsame Publikationen), Reinhard Dengler an der Neurologischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (8 gemeinsame Publikationen) und Harald Hefter an der Neurologischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (7 gemeinsame Publikationen). Weitere Kooperationspartner waren Jürgen Frevert (6 gemeinsame Publikationen) und Ernst Habermann (6 gemeinsame Publikationen). Er hielt mehrere Patente auf Botulinumtoxine. Im Jahr 2023 wurde Hans Bigalke mit dem Lifetime Achievement Award der International Neurotoxin Association ausgezeichnet.
Hans Bigalke wird seinen Kollegen, Kooperationspartnern und Studenten in Erinnerung bleiben für seine Freundlichkeit und Großzügigkeit, mit der er seine umfangreichen Erfahrungen teilte. Er hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.
Univ.-Prof. Prof.hon. mult. Dr. Dr. Dirk Dressler
Leiter des Bereichs Bewegungsstörungen
Klinik für Neurologie
Medizinische Hochschule Hannover











Ich freue mich immer wieder, dass es move neuro und andere Angebote gibt. Das ist doch unmittelbar hilfreich. Vielen Dank! Genauso bin ich unheimlich dankbar fürs Botulinum. Und heilfroh, dass ich ohne THS auskomme. das ist Lebensqualität.
Ihnen herzlichen Dank für Ihren Einsatz. Das ist für viele Menschen ein Segen!!
Wolfgang, Rheinland
Danke für die Infos und es ist sooooooooo wichtig für uns Patient*innen,
solche demokratischen Begegnungen in der Medizin zu ermöglichen. Eine
wichtige Voraussetzung, um die Medizin besser zu machen, neben so manch
anderem …
Liebe Grüße und 1000 Dank für das „über-den-Tellerrand“ schauen Wollen und
Können! Es wird sich was bewegen, da bin ich zuversichtlich … 🌷
Sylvia Weissenberger, Wien
„Ich freue mich sehr über das Buch „Jean-Pierre Bleton: Zervikale Dystonie – Leitfaden für die Physiotherapie“ und bin sehr dankbar, dass ich die fachlich fundierten Übungen nun in meine Therapie integrieren kann. Die zusammengestellten Informationen sind wirklich Gold wert! DANKE!“
K. Gumplmayr, MSc, Biologin aus Österreich
„Besten Dank für Ihre wertvollen Einsätze bei IAB!“
A. Kl., Personalfachkauffrau i. R., Hamburg
„Ich schätze an IAB besonders die Möglichkeit sich bundesweit mit Experten zu vernetzen dank vieler Online Angebote.“
Mirko Lorenz, Selbständiger Taiji und Qigong Meister. Inhaber und Gründer von Keep Moving dem Training bei Bewegungsstörungen in Berlin
„Sowohl privat als auch beruflich habe ich mich schon lange mit dem Thema Bewegung auseinandergesetzt und bin für den professionellen, gemeinsamen Austausch mit den Expert*innen vom IAB dazu dankbar. Ich habe in den Gesprächen immer wieder inspirierende Denkanstöße sowie fundiert-fachliche Einsichten erhalten – diese haben die Entwicklungsphase meines von mir eigens entwickelten Produktes, dem CityCaddy, geprägt und positiv beeinflusst. Mit Markteintritt des CityCaddy – er ist Shopper, Trolley und moderne Gehhilfe in einem – hat sich der gemeinsame Nenner zum IAB noch verstärkt. Eine größtmögliche Mobilität haben wir beide im Fokus, sowohl für ältere als auch für körperlich eingeschränkte Menschen. Ich schätze das breite, interdisziplinäre und dennoch fokussierte Netzwerk vom IAB sehr und würde allen Interessierten und Betroffenen diesen wertvollen Kontakt empfehlen.“
Prof. Elke Jensen, em. Design-Professorin, Gründerin und Geschäftsführerin CityCaddy Hamburg, Deutschland
„Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um noch einmal zum Ausdruck zu bringen, wie sehr ich Ihre online Seminare schätze und möchte mich bei Ihnen für diese kostenfreie Wisssensvermittlung herzlich bedanken.
Für mich ist die Teilnahme an den IAB-Weiterbildungsseminaren immer ein großer Gewinn. Dabei erfahre ich von ausgewählten Experten neue Erkenntnisse über Behandlungsmethoden bei Krankheitsbildern, die auch außerhalb meines Fachbereiches liegen und was ich dann an meine Patienten weitergeben kann.
Diese Fortbildungsseminare waren immer eine leicht zugängliche, stets anregende und unverzichtbare Form, meinen Wissenstand über Bewegungsstörungen zu erweitern. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit diesen Seminaren und freue mich schon auf das hoffentlich bald stattfindende nächste Seminar.“
Dr. Luitgard Wiest, München
„Als Betreiberin von „Dystonie Online“, einer selbsthilfegeleiteten Informationsplattform für Dystoniebetroffene, deren Angehörige und Interessierte, nehme ich regelmäßig vor allem an digitalen Formaten teil. Besonders positiv ist, dass es den Veranstaltenden stets gelingt, medizinische Expert:innen und Laien sprachlich-inhaltlich zueinander zu bringen. Bei weitem nicht selbstverständlich. Um so bemerkenswerter. Danke dafür!“
Eileen Lensch (Dystonie Online), Kiel
„Die Vorträge und Beiträge waren für mich sehr bereichernd und bringen mich in Bezug auf meine zervikale Dystonie wieder weiter. Ich bin sehr dankbar, durch meine ständige Suche im Internet auf Ihren Arbeitskreis gestoßen zu sein.“
Brigitte Deimel, ausgebildete Übungsleiterin für Gymnastik und Wirbelsäulenerkrankungen und Dystonie-Erkrankte in Kirchseeon/Buch in Bayern
„Seit über 10 Jahren profitiere ich von den Veranstaltungen, die von IAB organisiert werden. Sie halten mich immer auf dem Laufenden, was es Neues und Aktuelles zum Thema Bewegungsstörungen gibt. Auch die Patienten profitieren davon und sind sehr dankbar dafür. Bitte machen Sie weiter so 👏.“
Karin Wolff, Physiotherapeutin in Hannover
Erzählen Sie doch ein auch wenig von Ihren Erfahrungen mit IAB!